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Neusser EV testet Eis der Zukunft

Eine Eissaison dauert im Regelfall zwischen sechs und sieben Monaten – das zumindest ist die gelernte Normalität für den Großteil der Amateur-Eissportler hierzulande. Danach wird das Eis vornehmlich aus wirtschaftlichen Gründen aufgrund des hohen Energiebedarfs in den Sommermonaten abgetaut und es beginnt die fast ebenso lange Phase des Off-Ice- beziehungsweise Trockentrainings. Wie eine mögliche Alternative für die Zukunft aussehen könnte, erproben derzeit die Eishockeyspieler des Neusser EV (NEV) und Eiskunstläufer des Neusser Schlittschuhklubs (NSK): Im Eisstadion am Reuschenberger Südpark trainieren sie auf einer nachhaltigen sogenannten Eco-Kunsteisfläche des Schweizer Unternehmens Glice.

Das Projekt und den Probetrainingsbetrieb auf der Synthetik-Eisfläche initiiert hat Andreas Schrills, Ex-Spieler sowie ehemaliger Funktionär der NEV-Löwen und aktueller Cheftrainer des Neusser U17-Teams. „Mit einer solchen zusätzlichen Trainingsmöglichkeit könnten wir das Ausbildungslevel unserer Nachwuchsspielerinnen und -spieler auf ein nochmal deutlich höheres Level bringen“, so die Einschätzung von Schrills zur sportlichen Perspektive für den Löwen-Nachwuchs. „Und auch in puncto Nachhaltigkeit bietet diese Option dem Verein und seinen Partnern eine Vielzahl spannender Aspekte.“ So kann das Eco-Paneele-Eis komplett ohne Wasser, Strom und Kühlflüssigkeit betrieben werden, darüber hinaus ist es laut Angaben des Herstellers toxin- und CO2-emissionsfrei, bis zu zwanzig Jahre lang nutzbar und zu einhundert Prozent recyclebar.
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Schweizer Synthetikeis überzeugt
Erstmals diskutiert hat Andreas Schrills, damals 1. Vorsitzender des Neusser EV, das Thema Synthetikeis bereits vor zwei Jahren mit seinen damaligen Vorstandskollegen. „In den vergangenen Monaten habe ich dann einige Anbieter besucht und deren Angebote geprüft“, sagt Schrills. Das Produkt des Herstellers aus der Schweiz überzeugte den früheren NEV-Torhüter schlussendlich: „Glice kommt von seiner Beschaffenheit und seinen Gleiteigenschaften sehr nah an echtes Eis heran.“ Das sehen offenbar auch europäische Eishockey- Ausbildungshochburgen wie die Red-Bull-Organisation mit ihren Clubs in München und Salzburg sowie der schweizerische HC Davos so, die diesen künstlichen Untergrund ebenfalls nutzen. Spieler aus der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) trainieren ebenso auf Glice. Zudem nutzt mit den Hammer Eisbären seit einigen Wochen auch ein deutscher Oberligist die innovative Technologie.

Probebetrieb im Neusser Südpark
Zu Wochenbeginn hat der Hersteller nun zum Testbetrieb in der Neusser Südpark-Eissporthalle ein verkleinertes Spielfeld aufgebaut, auf dem sich in den nächsten Tagen alle Mannschaften der Löwen ausprobieren können. Andreas Schrills: „Skaten, Stickhandling, Passen und Schießen stehen so auf unserem Sommertrainingsprogramm“, freut sich der U17-Headcoach über die zusätzliche Trainingsmöglichkeit. Auch die Neusser Eiskunstläufer des NSK wurden mit ins Boot geholt und werden das noch ungewohnte Terrain für ihre artverwandte Kufen-Sportart ebenfalls ausgiebig testen. Udo Tursas, seit gut einem Jahr 1. Vorsitzender des Neusser EV, richtet den Blick bereits auf die nahe Zukunft und mögliche nächste Schritte: „Wenn das Urteil unserer Spielerinnen und Spieler positiv ausfällt, werden wir das Thema in den kommenden Monaten intensiv weiterverfolgen und Optionen ausloten, wie wir eine solche Trainingseisfläche dauerhaft in Neuss realisieren könnten.“


Moderates sechsstelliges Investment
Schon in dieser Woche fand eine erste Live-Präsentation in der Heimspielstätte des NEV für Partner und Sponsoren der Löwen sowie Vertreter von Sportamt und Politik statt. „Günstig zu realisieren ist ein solch ambitioniertes Projekt freilich nicht – zumindest nicht auf den allerersten Blick“, weiß Ralf Onken, der als Berater des Neusser EV im erweiterten Vereinsvorstand engagiert ist. „Hierfür muss immerhin ein moderates sechsstelliges Investitionsvolumen gestemmt werden. Für einen Amateurverein wie den NEV kein Pappenstiel.“ Mit einer Handvoll Projektinvestoren an Vereinsseite sieht Onken den Business Case jedoch als lohnenswerten Zugewinn für alle Beteiligten an. „Langfristig sportlich für den NEV sowieso, aber natürlich auch im Hinblick auf gesellschaftliche Verantwortung unter Nachhaltigkeitsaspekten.“ Letzteres sei laut Ralf Onken in der heutigen Zeit auch ein schlagkräftiges Argument für Politik und Wirtschaft, sich einzubringen. „Gerade jetzt, wo allerorten intensiv über klimatologisch sinnvolle alternative Projekte diskutiert wird.“

„Meilenstein und mögliche Blaupause“
Aber eben auch vielfältige ökonomische Anreize biete das innovative Projekt, wie Onken betont: „Vom Spätsommer bis ins Frühjahr hinein kann die Glice-Eisfläche von NEV-Partnern und -Sponsoren lukrativ genutzt werden, beispielsweise für öffentliche Eislaufzeiten oder auch auf Winterevents wie Weihnachtsmärkten.“ In relativ kurzer Zeit ließe sich auf diese Weise ein wirtschaftliches Investment rasch amortisieren. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unserem Glice-Projekt den Nerv der Zeit treffen“, resümiert Andreas Schrills. „Wir könnten damit einen Meilenstein für die künftige Ausbildung junger Nachwuchstalente setzen – in Neuss, aber durchaus auch als Blaupause für andere Vereine und damit fürs deutsche Eishockey.“

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